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150. Geburtstag von Albert Ballin

15.08.07

Zum 150. Geburtstag von Albert Ballin, Generaldirektor der
Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag).
Die Hapag und der Norddeutsche Lloyd waren die Gründergesellschaften der heutigen Hapag-Lloyd AG.

Heute vor 150 Jahren wurde Albert Ballin, der große Generaldirektor der Hapag, geboren. Er führte das Unternehmen an die Spitze der Weltschifffahrt. Heute erinnern der Ballindamm, das Ballin-Haus und der Ballinkai an den bedeutenden Unternehmer Hamburgs.
 
„Keiner stieg aus so ungünstigen Verhältnissen so hoch hinauf“, schrieb der berühmte Journalist Theodor Wolff über seinen Freund Albert Ballin. Dessen Karriere war die steilste des wilhelminischen Kaiserreiches: vom dreizehnten Kind eines armen jüdischen Auswanderungsagenten aus Hamburgs Hafenviertel zum Chef der größten Reederei der Welt und „Freund“ des deutschen Kaisers. Der Topmanager, den selbst seine schärfsten Gegner als „zweifelsohne eine geniale Persönlichkeit“ bezeichneten, galt als hochintelligent und als ebenso charmant wie schwierig. „Mehr Künstler als Rechner“ charakterisierte ihn sein engster Vertrauter, der Bankier Max Warburg.

Ballin wurde vor 150 Jahren, am 15. August 1857, am Stubbenhuk 17 geboren, wuchs am Hafenrand auf und musste siebzehnjährig, nach dem Tod seines Vaters, dessen Agentur übernehmen. Er bot Emigranten konkurrenzlos günstige Überfahrten nach New York an und war damit bald derart erfolgreich, dass er der etablierten Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, der Hapag, einen erbitterten jahrelangen Konkurrenzkampf liefern konnte. 1886 zog die Hapag es vor, den unbequemen Aufsteiger als Chef der Passageabteilung zu übernehmen. Zwei Jahre später wurde Ballin jüngster Direktor.

1899 war diese Hapag die größte Reederei der Welt, der zweiundvierzigjährige Ballin ihr autokratischer Generaldirektor. Er, der Angestellte, verschrieb sich dem Unternehmen derart rückhaltlos, dass es hieß: „Er war die Hapag, und die Hapag war er.“ Ballin, ein pragmatischer Visionär, konnte Zeitströmungen ebenso intuitiv erfassen wie nutzbringend umsetzen und kümmerte sich dabei selbst um jedes Detail seines „Gesamtkunstwerks Hapag“.

Das stand auf solider wirtschaftlicher Basis, denn Ballin räumte dem Frachtgeschäft Vorrang vor der konjunkturanfälligen Passagierfahrt ein. Frachter und Kombischiffe sorgten für finanziellen Rückhalt, glamouröse Luxusliner brachten Prestige und Passagiere: 1889 stellte die Hapag mit der „Augusta Victoria“ den ersten deutschen Doppelschrauben-Schnelldampfer in Dienst. 1900 gewann ihr Schnelldampfer „Deutschland“ das Blaue Band.

Mit dem Stapellauf der „Amerika“ hatte Ballin 1905 ein neues Erfolgsrezept verwirklicht: Nicht mehr Rekordgeschwindigkeit, sondern möglichst viel Komfort in allen Klassen zog nun die Passagiere auf die Hapag-Dampfer. Höhepunkt dieser Entwicklung waren drei gewaltige Luxusliner, die größten Schiffe der Welt. Der erste von ihnen wurde 1912 von Kaiser Wilhelm II. auf den Namen „Imperator“ getauft. 

Zum Erfolg der Hapag trug entscheidend bei, dass Ballin auch die Emigranten als Kunden mit ihren zeitgemäß bescheidenen Ansprüchen ernst nahm. 1901 ließ er die Auswandererstadt am Hamburger Hafen errichten, eine komplette Kleinstadt für bis zu 5.000 Personen, deren Angebot einen beispiellosen Rundum-Service einschloss. Millionen von Europäern nutzten dieses „Tor zur Welt“ zum Start in ein neues Leben.

Zu dieser Zeit war die Hapag schon mehr als eine Reederei: 1891 hatte Ballin die moderne Kreuzfahrt erfunden, damit eine Marktlücke entdeckt und die Gesellschaft fortan konsequent zu einem großen Tourismus-Anbieter ausgebaut. Ballin war auch einer der geschäftlichen Pioniere der Zivilluftfahrt: Die Hapag-Reisebüros verkauften exklusiv die Tickets für die Luftschiffe des Grafen Zeppelin, bis 1914 schon an 42.000 Passagiere.

„Mein Feld ist die Welt“, das alte hanseatische Motto, das Ballin für die Hapag übernommen hatte, traf auf das Unternehmen, das er geprägt hatte, vollauf zu:  Seine 46 Liniendienste umspannten vor dem Ersten Weltkrieg nahezu den gesamten Globus mit Ausnahme Australiens, seine Schiffstonnage betrug 1,36 Millionen BRT. Die Hapag hatte mehr als 25.000 Mitarbeiter weltweit, und ihre Aktionäre erhielten 1913 stolze 10 Prozent Dividende. 
 
Der Generaldirektor war ein brillanter Schifffahrtsdiplomat, galt als „Souverän der Seefahrt“. In internationalen Poolverhandlungen unter Ballins Vorsitz gelang es immer wieder, auch scharfe kommerzielle Rivalität einvernehmlich zu regeln. Beim Versuch, diese kaufmännische Vernunft auch auf die große Politik zu übertragen, musste Ballin scheitern. Der kosmopolitische Hamburger war zwar glühender deutscher Patriot, doch niemals Chauvinist. Er trat stets für deutsch-britische Verständigung und Rüstungskontrolle ein, und seine zunehmende Sorge um den Frieden in Europa trieb ihn seit 1908 zu halboffiziellen politischen Missionen. Es gelang Ballin, 1912 den britischen Rüstungsminister Lord Haldane zu Flottenverhandlungen nach Berlin zu holen, die jedoch scheiterten. Sogar im Juli 1914 war der Hapag-Chef noch zu einem letzten verzweifelten Vermittlungsversuch in Großbritannien. Vergeblich. Ballin zerbrach am Ersten Weltkrieg, dem, wie er meinte, „dümmsten aller Kriege“, in dem er sein Lebenswerk vernichtet und seine Epoche untergehen sah. Als die Revolution Hamburg erreichte, nahm sich Albert Ballin das Leben. Er starb am Mittag des 9. November 1918 in seiner Heimatstadt  – zur gleichen Zeit, als in Berlin die Republik ausgerufen wurde.

Albert Ballin

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