IMG_2568.JPG

"Ein riesiger Kontinent" – Interview über das Wachstumspotenzial im afrikanischen Hinterland

In diesem Interview spricht Tom De Wilde, Verantwortlicher für die Entwicklung des afrikanischen Hinterlands bei Hapag-Lloyd, über die Chancen, Herausforderungen und das massive Wachstumspotenzial in dieser Region.

Tom, warum muss Hapag-Lloyd auch das afrikanische Hinterland mit Containern erreichen?

Afrika ist ein riesiger Kontinent, und gleich mehrere Länder sind vollständig von Landmasse umgeben. Wir würden 38 Prozent des afrikanischen Marktes brachliegen lassen, würden wir nicht in eine Strategie für die afrikanischen Binnenstaaten investieren. Auf dem Kontinent befinden sich 33 Prozent der nicht kultivierten, aber landwirtschaftlich nutzbaren Landfläche der Welt. Zahlreiche wichtige Agrarerzeugnisse – etwa Tee, Kaffee, Baumwolle und Kakao – kommen aus dem afrikanischen Hinterland. Wenn wir Importe nach Afrika also im Rahmen von Carrier-Haulage-Diensten in diese spezifischen Binnenländer steuern, geht es uns im Kern darum, Container strategisch zu positionieren, um neues Potenzial für Exporte zu erschließen- Zudem wachsen diese Staaten im Jahresvergleich stärker als die benachbarten Küstenstaaten
 

Binnenstaaten: Zahlreiche afrikanische Länder haben keinen direkten Zugang zum Meer.

Das klingt vielversprechend. Doch gibt es wirklich nur gute Neuigkeiten oder auch spezifische Herausforderungen in Verbindung mit dem afrikanischen Binnenland?

In der Tat lässt sich das beschriebene Potenzial nicht ohne gewisse Herausforderungen erschließen, denn davon gibt es durchaus einige. So ist die Infrastruktur noch immer ein wesentliches Problem. Die Terminalbetreiber und sogar die Reedereien investieren zunehmend in die Hafeninfrastruktur in Afrika. Leider werden infrastrukturelle Fragen landseitig häufig vernachlässigt – und wir sprechen hier von enormen Entfernungen. All unsere angebotenen Korridore umfassen mehr als 1.000 Kilometer. Der Hafen und die entsprechenden Standorte im Hinterland sind häufig nur über eine einzige Straße verbunden. Wenn es also auf dieser einen Straße ein Problem gibt, wirkt sich das unmittelbar und in massivem Umfang auf die Logistik aus – und damit auf die Versorgung im Zielland.

Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass alle Korridore mit mindestens einem Grenzübertritt verbunden sind. Zwar gibt es seit Jahren kontinuierliche Gespräche, aber eine kontinentale Freihandelszone existiert in Afrika noch immer nicht. Damit gelten in den meisten dieser Länder unterschiedliche Zollvorschriften. Hinzu kommt noch die Sprachbarriere. Sechs der neun Binnenstaaten, die wir derzeit bedienen, sind vorwiegend französischsprachig – natürlich neben den zahlreichen lokalen Sprachen.
 

Wenige, große Verkehrskorridore verbinden das afrikanische Hinterland mit den wichtigen Hafenstädten an den Küsten des Kontinents.

Wie geht Hapag-Lloyd mit diesen Herausforderungen um?
Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen hat die Area Africa eine eigene Abteilung für das afrikanische Hinterland geschaffen. Die tägliche Kommunikation mit unseren Agenten, Lieferanten und Warenempfängern ist von höchster Wichtigkeit. Wir haben ein Modell entwickelt, mit dem sich die potenziellen Risiken für Hapag-Lloyd minimieren lassen. Das ist nicht immer leicht. Aber dank des Teams können wir im afrikanischen Hinterland ein Qualitätsprodukt mit nahezu persönlicher Betreuung anbieten.

Das klingt wie ein weiteres tolles, optimiertes Produkt für Hapag-Lloyd. Welche Verkaufsargumente gibt es für den Frachttransport in Afrika per durchgehenden Bill of Lading-Lösungen?


Erstens birgt ein solches Durchkonossement sowohl für den Versender als auch den Warenempfänger den Vorteil, dass man nur mit einer Partei reden muss: Hapag-Lloyd. Wir stehen mit beiden Seiten in Kontakt und stellen sicher, dass alles geregelt ist, um den Container zu seinem Endziel zu befördern.

Zweitens müssen sich Versender und Empfänger in den überlasteten afrikanischen Häfen keine Gedanken um Demurrage & Detention-Gebühren machen, da Hapag-Lloyd die frühestmögliche Abholung des Containers verantwortet, noch bevor mögliche Strafzahlungen anfallen.

Drittens wird der Container zumeist direkt bis zur Empfängeradresse geliefert. Er bleibt auf dem Lkw unseres Anbieters, der sodann den leeren Container zurückbringt. Das heißt, der Warenempfänger muss sich nicht darum kümmern, den Container zurückzubringen und sich auch keine Sorgen über eine etwaige Free Time-Überschreitung machen.

Schlussfrage: Wie lauten unsere Ziele für das afrikanische Hinterland für 2019?

Heute umfasst das afrikanische Binnenland für uns neun Länder. Wir haben zehn grenzüberschreitende Hauptkorridore im Angebot, die gemeinsam den Löwenanteil des Carrier-Haulage-Markts abdecken. Der erste Schritt wird sein, innerhalb dieser zehn Korridore zu wachsen. Ist dieses Ziel erreicht, können wir damit beginnen, neue Korridore zu erschließen.

Parallel zur Förderung von Importfracht arbeiten wir auch daran, uns im Rahmen von Carrier Haulage Exportaufträge ab Afrika zu sichern. Hierzu gibt es in Uganda bereits ein Pilotprojekt. Mit Blick auf die dortigen Kaffee- und Baumwollexporte zielen wir hier auf einen sogenannten „Double-Dip“, das heißt, Container im Rahmen von Carrier Haulage nach Uganda zu transportieren und auf dieselbe Weise wieder zurück. Damit könnten wir neue Volumen generieren, unser Equipment besser im Blick behalten, mehr Umsatz erwirtschaften und höhere Gewinne erzielen.

Wenn wir all das schaffen, werden unsere Beiträge von und nach Afrika erheblich steigen, sodass wir ganz sicher weiteres Wachstum für Hapag-Lloyd auf diesem fantastischen Kontinent sichern können.

 

Back to Top