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„Du lebst an Bord wie in einer Blase” - Azubi Jacob Schwarz an Bord während der Covid-19 Pandemie

Ein Seefahrer unter Hunderttausenden, die wegen der Pandemie monatelang ihr Schiff nicht verlassen konnten: Unser Azubi Jacob Schwarz berichtet, wie er in unsicheren Zeiten für Sicherheit an Bord sorgte – und auch für etwas Spaß.

Der angehende Nautische Offiziersassistent ging am 1. Dezember 2019 in Vancouver an Bord der 335 Meter langen „Budapest-Express“. Geplant war die Nord-Pazifik-Route über Seattle nach Busan in Südkorea, über mehrere chinesische Häfen bis nach Hong Kong und zurück, um dann im Februar für etwa einen Monat beim Werftaufenthalt in Ningbo-Zhoushan in China dabei zu sein. „Ich wollte unbedingt die Werfterfahrung mitnehmen und hatteanschließend einen Angelurlaub mit meinem Vater in Norwegen geplant“, beschreibt Jacob Schwarz seine Pläne bis zum Beginn seines Nautikstudiums im September. Doch dann kam es anders als geplant.


Ungewisse Fahrt Richtung China


Mit nur 20 Jahren hat Jacob schon einiges an Erfahrung auf See gesammelt. Bereits mit 16 hatte er das Ferienfahrer-Programm auf der „Chicago-Express“ von Hapag-Lloyd absolviert, im August 2018 dann seine Ausbildung begonnen und bereits drei längere Seefahrten unternommen. „Mein letzter Bordeinsatz mit Werft, das war für mich ein richtiger Glücksfall!“, sagt er. „Weihnachten und Silvester verliefen noch nach Plan, aber als wir am 21. Januar aus dem Hafen von Seattle Richtung China ausliefen, erfuhren wir, dass nun auch ein erster COVID-19-Fall in Seattle gemeldet wurde – das Virus breitete sich aus. Da wussten wir, dass es keine normale Fahrt wird.“

In Busan wurde am 8. Februar ein Teil der 26-Mann starken Crew ausgetauscht. „Das waren die Letzten, die abgelöst werden konnten“, sagt Jacob Schwarz. Er blieb bei seiner Crew und verbrachte seinen vorerst letzten Landgang im Club der Seemannsmission.
 


Nicht eingeplant: Seekarten für andere Gewässer

Nur unter höchsten Vorsichtsmaßnahmen konnten sie am 11. Februar in Shanghai ihre letzte Ladung abgeben. „Jetzt war die Ungewissheit richtig da“, sagt er. Einen Monat lang ankerten sie vor China und warteten darauf in die Werft zu gehen, die vorübergehend geschlossen war. Sie mussten nach Südwesten fahren, nach Port Kelang in Malaysia, um dort neuen Proviant zu bekommen und Crewmitglieder auszuwechseln. Dafür mussten sie allerdings zuvor in Singapur ankern, um Seekarten und -handbücher über die nicht eingeplanten malaysischen Gewässer an Bord zu holen. „In dieser ungewissen Zeit waren die Neuigkeiten von Hapag-Lloyd über das weitere Vorgehen und das frisch zubereitete Essen unseres Schiffskochs absolute Stimmungsaufheller“, erinnert sich Jacob Schwarz.

Er unterstütze den Sicherheitsoffizier und musste Sicherheitsübungen vorbereiten, Brandlöschanlagen kontrollieren, Ventile überprüfen – und nun auch täglich bei jedem Besatzungsmitglied die Körpertemperatur messen. „Ich verbrachte viel Zeit auf der Brücke und plante mit dem Offizier die neue Route“, sagt er. „Am 17. März sollte ich in Port Kelang abmustern – noch bevor ein neuer Werfttermin feststand. Das hat mich schon sehr enttäuscht.“
 


Cool bleiben: Außenpool an Deck

Aber dann machte auch Malaysia seine Häfen dicht, und er musste ohnehin an Bord bleiben – und weiter warten. „Doch wir haben das Beste daraus gemacht“, sagt Jacob Schwarz. „Die Arbeit ging weiter. Ohne Ladung konnten wir nun sonst schwer zugängliche Stellen wie die Lukendeckel frisch konservieren. Zudem konnten wir schon das Lash-Equipment entfernen – als Vorbereitung für die Werft.“ Die Crew verbrachte die Abende zusammen am Pool, beim Filmegucken, beim Basketball, Tischtennis oder am Kicker. Jacob Schwarz baute sogar eine Minigolf-Bahn in der Offiziersmesse auf. „Da es vor Malaysia über 35 Grad heiß war, hat mein Azubi-Kollege einen Außenpool aufgestellt“, erzählt er. Ende April ging es dann endlich in Ningbo-Zhoushan in die Werft. Das Verlassen des Werftgeländes war aber nicht möglich. Danach wurde zum dritten Mal einen Monat lang geankert und gewartet. „Ohne neues Fahrtgebiet, ohne neuen Service fühlten wir uns mittlerweile ohne Bedeutung“. Als die Nachricht kam, dass sie zum Bunkern woanders hinfahren, erfuhr Jacob, dass er von Korea aus nach Hause reisen durfte.


Ins normale Leben zurückkommen

Am Ende seiner Odyssee kam er nach Zwischenstopps in Seoul, Amsterdam und Frankfurt in seiner Heimat bei Erfurt an. Wie fühlt es sich an, nach sechs Monaten an Bord wieder zu Hause zu sein? „Freunde fragten mich, wie es ist, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben“, sagt er. „Anders – du lebst an Bord wie in einer Blase. Alles ist schnell vertraut, auch die Geräusche. Zurück Zuhause ist es dagegen nachts sehr still, kein Lüftchen ist mehr zu hören. Das ist schon eine Umgewöhnung.“

Hapag-Lloyd wünscht Jacob viel Erfolg im Nautik-Studium!

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