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Auf dem besten Weg zum Kapitän

Obwohl er im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, hat sich Philipp Wallutis für ein Leben auf dem Meer entschieden. Momentan ist er zweiter Offizier auf einem Hapag-Lloyd-Schiff, aber eines Tages wird er hoffentlich stolz die vier Kapitänsstreifen tragen.

Soll noch einer sagen, Eltern würden bei der Berufswahl ihrer Kinder nicht mitreden. Philipp Wallutis erinnert sich, dass er als Teenager mit seinem Vater eine Fernsehdokumentation anschaute, in der ein Kapitän ein Schiff durch den Panamakanal steuerte. „Das ist aber ein toller Job, habe ich gesagt“, erinnert sich der 24-Jährige. Sein Vater soll ziemlich trocken gekontert haben: „Na, dann mach das doch!“ Woraufhin Philipp trotzig entgegnete: „Ja, mach ich auch!“

Ein knappes Jahrzehnt später hat er seinen Traum wahrgemacht. Er ist noch nicht Kapitän, aber auf dem besten Weg dorthin. Wallutis ist auf den Weltmeeren unterwegs, arbeitet derzeit als 2. Offizier, so genannter Navigations-Offizier, an Bord der „Osaka Express“, einem von 188 Containerschiffen aus Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd. Durch den Panamakanal ist er auch schon gefahren. Eines der faszinierendsten Erlebnisse in seinem  noch jungen Berufsleben. Nicht nur wegen der technischen Herausforderungen, des Kanals, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. „Man fährt eigentlich mitten durch den Urwald. Und der Sternenhimmel über dem Pazifik! Dort habe ich zum ersten Mal wirklich die Milchstraße mit bloßem Auge gesehen. Das war umwerfend schön.“

 

Philipp Wallutis, zweiter Offizier an Bord der "Osaka Express", ist auf dem besten Weg zum Kapitän.

Genau genommen ist die Episode mit seinem Vater nicht die erste, die Wallutis mit der Seefahrt in Berührung brachte. Am Baldeneysee hat er Bootfahren gelernt, ist seit Kindertagen Mitglied in einem Marineregattaverein. Dennoch bleibt seine Berufswahl für einen aus dem Ruhrpott - wie die Deutschen das Ruhrgebiet nennen - eher ungewöhnlich. Die Berufsberaterin, die ihm vor fünf Jahren den Kontakt zu Hapag Lloyd vermittelte, stand kurz vorm Ruhestand, als sie bemerkte: „Ich habe zu Beginn meiner Laufbahn einmal jemanden zur See geschickt. Sie sind jetzt der Zweite!“

So fügten sich die Dinge. Philipp Wallutis entschied sich 2010 für eine Ausbildung samt Studium an der Fachhochschule für Nautiker in Leer (Ostfriesland). Im selben Jahr ging er erstmals an Bord eines Containerschiffes  – als Offiziersassistent. Seit er im März sein Studium beendete, steht jetzt Praxis auf dem Dienstplan. Es gibt kürzere und längere Routen, manchmal ist er drei Monate am Stück auf den Ozeanen unterwegs. Und auch wenn Familie und Freundin dann weit weg sind, hält sich sein Heimweh in Grenzen. Ihn plagt eher, dass er die Erlebnisse mit Zuhause nicht teilen kann. Nicht nur die Eindrücke aus fremden Häfen, Ländern, Städten –  es ist auch das nicht zu vermittelnde Gefühl, dass sich in der Stille und Weite des Meeres einstellt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich mitten auf dem Ozean Schiffe begegnen, ist äußerst gering“, erklärt Wallutis.

 

Die "Osaka Express" (8.749 TEU), auf der Wallutis momentan als zweiter Offizier arbeitet.

Dafür gibt es anderes „Verkehrsaufkommen“: Delfine zum Beispiel, die vor dem Schiff herschwimmen. Sie werden von der Bugwelle förmlich angespornt. „Ich habe auch schon fliegende Fische gesehen, Schildkröten in der Karibik, Wale, Orkas und sogar einen Beluga – einen weißen Wal“, schwärmt Wallutis und ist sich sehr bewusst, dass er ein außergewöhnliches Leben führt.

Der junge Offizier ist, wie seine Freundin bestätigt, eher ein ruhiger, ausgeglichener Zeitgenosse, weniger Abenteurer. Das muss er auch sein, denn er gemeinsam mit den anderen beiden Offizieren und dem Kapitän an Bord eine enorme Verantwortung. Für die Besatzung, für die Ladung, für das pünktliche Erreichen eines Hafens, für die exakte Berechnung des Wetters. Bis zu 7.000 Container, von denen jeder bis zu 30 Tonnen wiegen kann, befördert die Osaka Express derzeit von Hamburg über Southampton nach New York. Geschätzter Wert der geladenen Güter: bis zu eine Milliarde Dollar.

Philipp Wallutis ist fünf Wochen unterwegs, die meiste Zeit auf hoher See: Rund acht Stunden steht er täglich auf der Brücke und steuert das Schiff. Gut, dass er auch bei den schwierigeren Aufgaben besonnen bleibt. Denn, was sich jeder denken kann: Es geht zuweilen auch stürmisch zu auf hoher See. Wallutis beruhigt sofort: „Unser Schiff ist auch Messstation des Deutschen Wetterdienstes, wir können eigentlich nicht mehr überrascht werden.“ Wichtig sei, aufgrund von Wetterdaten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nicht der zuerst auftretende Wind sei das Gefährliche, sondern die darauf folgende Wellenausbildung. Und selbst wenn er bei zehn Meter hohen Wellen dann doch mal „ein mulmiges Gefühl“ einräumt, wird er gleich wieder gelassen. „Man weiß ja, was man kann.“

Bis zu 7.000 Container können auf der "Osaka Express" transportiert werden.

Fast alles kann über das Meer transportiert werden: Turbinen für Verkehrsflugzeuge genauso wie Blumen, Lebensmittel, Möbel und Alltagsgegenstände. „Wir haben sogar die Bühnenteile für die Musikgruppe „U2“ bei deren Welttournee transportiert“, erzählt Wallutis. Es gibt allerdings eine „Embargo-Liste“ in der steht, was nicht aufs Schiff darf. Hierzu gehören beispielsweise schützenswerte Tiere, über die internationale Gesetze bislang noch nicht ihre schützende Hand halten. So lehnt Hapag-Lloyd grundsätzlich Transporte von Wal- und Delfinfleisch oder Haifischflossen und Produkte daraus ab. Dasselbe gilt für Robbenfelle oder Jagdtrophäen wie Löwen oder andere Großtiere.

Kontakt nach Hause erleichtern inzwischen Kurznachrichtendienste. „Da kann man sich wenigstens mal kurz Guten Morgen und Gute Nacht schreiben!“ Oder, was man sich zu essen wünscht, wenn es wieder in Richtung Heimat geht: „Bloß keinen Fisch!“ lacht der Seefahrer. Nicht, weil er an Bord  zu viel davon bekommen hätte. Nein. Fisch, den mag er einfach nicht.

Quelle/Fotos: BENE - Das Magazin des Bistums Essen, Ausgabe Oktober/November 2015, www.bene-magazin.de

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