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Weihnachten an Bord: Wie feiern unsere Crews auf See Weihnachten?

Wie feiert man Weihnachten auf See? Wie ist die Stimmung, welche Rituale und Traditionen gibt es, was ist erlaubt und was nicht? Fragen an Arnold Lipinski, Senior Director Marine Fleet Personnel in Hamburg, der selbst als Seemann viele Jahre Heiligabend an Bord eines Schiffes verbracht hat.

Wie viele Seeleute müssen an Bord der Schiffe von Hapag-Lloyd an den Festtagen Dienst leisten?

Auf den 121 eigenen Schiffen sprechen wir von knapp 3.000 Crewmitgliedern, Offiziere wie Mannschaftsdienstgrade. Und wenn wir den Blick auf die ganze Flotte richten, also die etwa 215 Schiffe, die für Hapag-Lloyd fahren, sprechen wir von weitaus mehr Besatzungsmitgliedern.

Wie wird ausgewählt, wer zu dieser Zeit an Bord sein muss?

Unsere Dienstpläne werden so gut es geht weit im Voraus gemacht, Weihnachten spielt dabei erst einmal keine Rolle. Wir versuchen aber schon, Wünsche zu berücksichtigen. Wenn ein Seemann nach einigen Jahren Weihnachten auf See wieder zu Haus sein möchte. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, ob derjenige Kinder hat. Das ist manchmal alles gar nicht so einfach zu organisieren. Aber unsere Seefahrer haben großes Verständnis dafür, dass eben jemand auch in dieser Zeit das Schiff steuern muss. Ehrensache, dass keiner eine „Lametta-Krankheit“ vortäuscht, wie unter Seeleuten plötzliche Unpässlichkeiten kurz vor dem Fest genannt werden. Wir versuchen darüber hinaus einen Crew-Wechsel an Weihnachten zu vermeiden – weil dann gleich zwei Parteien nicht viel vom Fest haben.

Gibt es feste Riten an Bord eines Schiffes?

Nein, aber vieles läuft ähnlich ab. Auch an Heiligabend wird gearbeitet, meist so etwa bis 12 Uhr. Und die Wache ist natürlich wie immer rund um die Uhr besetzt. Am Nachmittag oder Abend dann versammelt der Kapitän die ganze Mannschaft und hält eine Rede. Oft werden auch die Weihnachts-E-Mails vorgelesen, die der Vorstand und das Schiffsmanagement an Bord senden. Der Koch legt sich ins Zeug, um ein besonderes Essen zu servieren. Natürlich gibt es auch Geschenke – das Präsent von Hapag-Lloyd etwa für unsere Crewmitglieder von den Philippinen. Manchmal wird später auch noch gesungen, Weihnachtslieder in den verschiedenen Sprachen – oder Karaoke.

Wie ist die Stimmung?


Sehr besinnlich und schon ein bisschen feierlich. Man zieht sich auch etwas Ordentliches an. Aber ganz ehrlich: Die meisten sind traurig, nicht zu Haus zu sein. Ich kann das selbst gut nachvollziehen, ich war etwa ein Dutzend Mal an Weihnachten auf See. Und so eine Bescherung allein auf Kammer ist eben niemals dasselbe wie daheim mit der Familie. Besonders für die Philippinos, aber auch für die Polen unter unseren Crewmitgliedern hat Weihnachten einen noch höheren Stellenwert als in Deutschland.

Ist es denn möglich für die Familien, Kontakt mit der Crew zu bekommen?

Ja, da hat sich einiges getan. Ich kenne noch die Zeiten, als die Ehefrau ihren Mann über „Radio Norddeich“ grüßte – und die ganze Welt durfte mithören. Damals kostete die Minute am Satellitentelefon 27 Mark, heute sind es nur noch Cent-Beträge. Viele telefonieren deshalb an Weihnachten auch von hoher See aus mit den Lieben zu Haus. Jeder an Bord darf zudem täglich ins Internet gehen und kann etwa über seinen privaten Account Mails lesen oder bei Facebook sein, wenn auch mit Einschränkungen, was die Anhänge und Downloads betrifft. Im Hafen oder in Küstennähe nutzen die meisten auch in diesen Tagen ihr eigenes Handy.

Gibt es auf den Schiffen Weihnachtsbäume?

Ja, sie werden meist lange voraus geordert und kommen dann rechtzeitig an Bord. Natürlich echte Tannen, kein Plastik – wenn auch ohne Kerzen, denn offenes Feuer ist grundsätzlich an Bord aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Wie ist es mit einem Glas Sekt an Heiligabend?


Da gelten dieselben Regeln wie an jedem anderen Tag: Für Wachgänger gilt die Null-Promille-Grenze. Wer frei hat, darf ein, zwei Gläser trinken – aber er muss grundsätzlich jederzeit einsatzfähig sein, um in Notfall an seinen Platz gehen zu können.

Wird auch im Hafen gefeiert – oder nur auf See?


Es kann schon mal sein, dass die Bescherung wegen eines Hafenanlaufs um ein paar Stunden oder einen Tag verschoben wird, aber das ist die Ausnahme. Doch auch wenn es einen Maschinenschaden gibt, was ja Gottseidank eher selten ist, muss an Heiligabend durchgearbeitet werden. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Und was passiert an Silvester?


Das ist den meisten weit weniger wichtig als Weihnachten. Sicher, manche versammeln sich auf der Brücke, um zwölf Uhr dröhnt dann das Typhon. Aber es ist halt mitten in der Nacht, und am nächsten Tag steht wieder ein normaler Arbeitstag an…

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