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Wie Briefe von Bord ihren Weg in die Heimat fanden

Diese aktuelle Geschichte erinnert an eine Zeit, an der Seeleute an Bord ihrer Schiffen noch fast unerreichbar weit weg waren.

Als es dort keine E-Mail, Handys oder Soziale Medien gab, sondern Nachrichten und gute Wünsche zu Feiertagen nur per Telegramm oder über Kurzwelle die Schiffe und ihre Mannschaften erreichten – und die Brief-Post auf eine heute geradezu unglaublich klingende Weise transportiert wurde. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten, die älteren Seeleute kennen es noch, wurde regelmäßig in Küstennähe eine so genannte Postboje über Bord geworfen, mit Briefen an die Lieben daheim. Diese wurde dann von Fischern gefunden, eingesammelt und die Post in einen Briefkasten geworfen. Und das funktionierte wirklich.

An diese Zeiten erinnerten sich Kapitän Peter Rößler und sein Erster Offizier Christian Stritzke dieser Tage, als sie ihre „Valparaíso Express“, eines von fünf neuen 10.500 TEU-Schiffen von Hapag-Lloyd, im SWX-Dienst von Le Havre in Frankreich über den weiten Atlantik Richtung Karibik steuerten. Ihr Kurs führte nahe an den Azoren vorbei, und sie erinnerten sich auch, dass genau dort früher oft solche Postbojen geworfen wurden. „Da kam uns die Idee, dass man doch diese Tradition noch einmal aufleben lassen kann“, erzählt der Kapitän, der aktuell mit seinem 333 Meter langen Schiff vom Panamakanal aus Richtung südamerikanische Westküste fährt. Gesagt, getan. Schnell wurde ein schwimmfähiger und wasserdichter Behälter gefunden und alle Besatzungsmitglieder, die Lust hatten, schrieben einen Brief, der mit der „Azorenpost“ geschickt werden sollte, vom westlichsten Postamt Europas. Insgesamt kamen acht Briefe zusammen.

Der alten Tradition zufolge musste für den Finder der Postboje auch ein kleines "Dankeschön" mit eingepackt werden. Das waren damals oft Schnaps und Zigaretten, und so sollte es dann heute auch wieder sein: „Wir legten alle zusammen und kauften in der Schiffskantine eine Stange Zigaretten und eine Flasche Whisky.“ Alles wurde wasserdicht verpackt und für den Abwurf vorbereitet.

Am Tag der Postabgabe, Montag, der 29. Januar, kam dann die Insel Flores, die westlichste und viertkleinste der Azoreninsel-Gruppe, in Sicht. „Alle waren schon ziemlich aufgeregt“, berichtet Rößler, der das Schiff 2016 mit in Fahrt gebracht hatte. „Wir näherten uns der Insel in einem sicheren Abstand. Im Süden von Flores befindet sich der kleine Hafen Lajes, den kannte ich von meiner Zeit auf Kreuzfahrtschiffen.“ Die Herausforderung bestand darin, den richtigen Zeitpunkt zu treffen, um die Boje zu werfen: „Wenn die Boje durch Wind und Strömung an der Insel vorbeitreiben würde, dann wäre unsere Post verloren und würde in den Weiten des Nordatlantik für sehr lange Zeit unterwegs sein“, so der Kapitän: „Auf altbewährte Art und Weise bestimmte ich über Windrichtung und Stromversatz die Abwurfposition. Die Postboje ging über Bord und sollte nach meiner Berechnungen direkt in den Hafen von Lajes treiben. Über UKW stellten wir gleichzeitig Funkkontakt zur Insel her und sprachen mit dem Lotsen. Doch leider war kein Boot im Hafen, welches rausfahren konnte, um die Postboje einzusammeln.“

Also alles vergebens? Nein, der Kapitän gab dem Lotsen die genaue Abwurfposition durch und dann verabschiedete sich die „Valparaíso Express“ von der Insel Flores mit drei tiefen und langen Tönen aus dem Schiffshorn. „Am nächsten Tag bekam ich eine Mail vom Lotsen der Insel“, berichtet Peter Rößler: „Er schrieb mir, dass unsere Boje gefunden wurde und die Briefe unterwegs sind. Noch vor Erreichen der Karibik erfuhr ich von meiner Frau, dass meine Post bei ihr zuhause in Deutschland angekommen ist.“

PS. Von einem Kollegen aus dem Country Office Portugal der Area Iberia hörten wir, dass der Finder und Versender der Post auf Flores das Geschenk mit Freude annahm.

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