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Warum Transparenz beim Schiffsrecycling so wichtig ist

Funken fliegen aus den vorderen Decks: Geschützt durch robuste Schutzkleidung, Helme und Sicherheitsbrillen schneiden zahlreiche Männer mit ihren Schweißbrennern Stück für Stück durch den dicken Stahl, hinunter bis zum Kielbereich des Schiffes. Nach etwa vier Monaten ist nichts mehr da, was an das einst so stolze Containerschiff erinnert. So läuft es ab, wenn ein Schiff umweltgerecht recycelt wird. Oft jedoch werden Schiffe an Stränden von Menschen ohne Schutzkleidung oder anderen Sicherheitsmaßnahmen auseinandergenommen. Denn es gibt noch keine weltweit ratifizierten Standards, an die sich Reedereien halten müssen.

2017 wurden 835 Schiffe der weltweit fahrenden Flotte von 50.000 Schiffen recycelt – nach ganz unterschiedlichen Ansätzen. Um ein Augenmerk auf diese Praktiken zu legen und vor allem, um Best-Practice-Beispiele zu zeigen, hat die Ship Recycling Transparency Initiative (SRTI) im Dezember eine Online-Plattform gestartet. Ziel ist es, durch mehr Transparenz Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und somit Stakeholder entlang des Lebenszyklus eines Schiffes für die Recycling-Praktiken zu sensibilisieren. Langfristig sollen so mehr Reedereien Wert auf ein umweltfreundliches Recycling ihrer Schiffe legen.

Hapag-Lloyd gehört neben weiteren Reedereien, Banken und Klassifikationsgesellschaften zu den Mitbegründern der Initiative. Das Unternehmen hat bereits 2014 eine interne Richtlinie zum Schiffsrecycling beschlossen, nach der nicht mehr benötigte Schiffe sicher und umweltgerecht verwertet werden müssen. Das bedeutet: Alle Schiffe von Hapag-Lloyd werden unter Einbeziehung höchster Umweltstandards in Werften recycelt.

In dieser türkischen Werft müssen die Arbeiter robuste Schutzkleidung, Helme und Sicherheitsbrillen tragen, wenn sie ein Schiff auseinandernehmen

Entscheidend beim umweltfreundlichen Recycling von Schiffen sind aktuell die Werften selbst – es gibt in den EU-Staaten zu wenig Werften, die nach EU-Standard zertifiziert sind. Jedoch hat die EU-Kommission vor dem Inkrafttreten der EU Ship Recycling Verordnung am 31. Dezember 2018 eine weitere Aktualisierung der Liste anerkannter Recyclingwerften veröffentlicht – diese enthält erstmals auch drei nicht EU-Werften. Zwei davon befinden sich in der Türkei und eine in den USA.

Bei der Erstellung dieser Liste wurde vornehmlich die Gesamtkapazität in LDT (Light Displacement Tons) aller Werften berücksichtigt, nicht aber die aktuellen Dimensionen der Werftdocks. Die Problematik: Die meisten der gelisteten Werftdocks sind zu klein und könnten noch nicht einmal ein 4.400 TEU Schiff aufnehmen. Erschwerend kommt hinzu, dass chinesische Werften nur noch Schiffe unter Chinesischer Flagge recyceln.

Die Erweiterung der Liste anerkannter Werften ist also ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend. Begrüßenswert ist es daher, dass die EU Kommission aktuell progressive Werften in Indien, die bereits durch eine führende Klassifikationsgesellschaft nach der Hongkong Konvention für „Green Recycling“ zertifiziert sind, besichtigt. Die abschließende Bewertung durch die EU-Mitgliedstaaten steht allerdings noch aus.

„Wir sind in einem globalen Geschäft tätig, daher sollten auch Werften außerhalb der EU, die in Arbeitsschutzmaßnahmen und Umweltschutz investiert haben, berücksichtig werden“, so Wolfram Guntermann, Director Environmental Management bei Hapag-Lloyd. „Hapag-Lloyd unterstützt den europäischen Reederverband ECSA sowie den internationalen Reederverband ICS bei den Bemühungen regionale Sonderregeln einzugrenzen und eine schnelle Ratifizierung der Hongkong Konvention zu bewerben. Daher freuen wir uns auch, dass Deutschland nun eine Ratifizierung beschlossen hat.“

Die SRTI will dafür sorgen, das Thema Schiffsrecycling stärker in die Öffentlichkeit zu tragen. Dadurch sollen gleiche Wettbewerbsbedingungen branchenweit geschaffen werden – damit in Zukunft alle Reedereien ihre Schiffe umweltgerecht recyceln.

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