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Umrüstung auf LNG: Hapag-Lloyd erste Linienreederei weltweit

Die Erfindung des Dampfschiffes Ende des 18. Jahrhunderts bedeutete einen Umbruch für die gesamte Schifffahrtsindustrie. Ähnlich verhält es sich mit dem Einsatz von Flüssigerdgas (LNG) bei Containerschiffen. Denn um mit diesem Treibstoff zu fahren, kann nicht einfach ein Schalter umgelegt werden – die ganze Technik muss neu gedacht werden. Mit der Umrüstung des Großcontainerschiffs „Sajir“ startet Hapag-Lloyd Mitte 2020 ein Pilotprojekt, das wegbereitend für die gesamte Schifffahrtsbranche sein kann.

Wann immer die „Sajir“ in Hamburg ist, gehen Ingenieure von Hapag-Lloyd oder den beteiligten Partner-Unternehmen, mit denen die Linienreederei für dieses Projekt zusammenarbeitet, an Bord, um Vermessungen vorzunehmen und Pläne zu erstellen. Denn das 15.000 TEU Schiff umzurüsten stellt alle Beteiligten vor völlig neue Herausforderungen. Ob es darum geht, das LNG an Bord zu lagern, das zusätzliche Rohrleitungssystem zu verlegen oder den Treibstoff aufzubereiten – all diese Aspekte müssen so in das Schiff integriert werden, dass die Verfügbarkeit und Serviceleistung der „Sajir“ weiterhin auf höchstem Niveau gesichert ist. Entsprechend komplex und aufwändig ist der Umbau für alle Beteiligten.
„Mit der Umrüstung der „Sajir“ sind wir die erste Linienreederei weltweit, die ein Containerschiff dieser Größenordnung umrüstet“, sagt Richard von Berlepsch, Managing Director Fleet Management bei Hapag-Lloyd. „Dies ist ein einzigartiges Pilotprojekt, von dem wir hoffen für die Zukunft zu lernen und den Weg für die Umrüstung weiterer Schiffe dieser Größenordnung zu ebnen.“

Basierend auf den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) ehrgeizige Ziele gesetzt: Ab dem 1. Januar 2020 müssen alle Schiffe weltweit mit schwefelreduziertem Treibstoff fahren, ab 2030 sollen die CO2-Emissionen um mindestens 30 Prozent reduziert werden, bis 2050 um 50 Prozent – jeweils im Vergleich zu 2008. Bis 2100 soll die Schifffahrt dann emissionsfrei sein.


Mit welchen Treibstoffen diese Ziele erreicht werden können, weiß aktuell noch niemand. Der Einsatz von LNG senkt die CO2-Emissionen um etwa 20 Prozent und die Schwefeldioxide und Partikel um mehr als 90 Prozent. Es ist also weniger eine finale als eine mittelfristige Lösung auf dem Weg zur Emissionsfreiheit. Aktuell jedoch die umweltfreundlichste. Während andere Reedereien bereits Neubauten mit LNG-Antrieb geordert haben, hat sich Hapag-Lloyd entschieden, eines seiner insgesamt 17 so genannten LNG-ready-Schiffe umzubauen.


Mitte 2020 geht die „Sajir“ für mehr als drei Monate in die HuaRun DaDong Werft bei Shanghai, um den bestehenden konventionellen Motor sowie die Hilfsmotoren in ein Dual-Fuel-System umzuwandeln. Dies ermöglicht es LNG und – als Backup-Lösung – schwefelarmen Treibstoff zu verbrennen. Das Gastanksystem nimmt eine Kapazität von 290 TEU in Anspruch, entsprechend viele Containerstellplätze gehen dadurch verloren.


Um die Werftzeit möglichst gering zu halten, wird der Tank bereits vor dem Erreichen der Werft vollständig gefertigt und die Komponenten für die Gasaufbereitung, sowie die Komponenten für die Umrüstung der Motoren und Aggregate weitestgehend bereitgestellt – um dann mit Hilfe eines Schwimmkrans den circa 1300 Metertonnen schweren Tank in den vorbereiteten Laderaum zu setzen. Die lokale Nähe des Maschinenraums zur Tankposition erlaubt es, mit möglichst kurzen Rohrleitungen die Verbindung zwischen den Aggregaten und dem Gasaufbereitungssystem zu realisieren. Für den Umbau investiert Hapag-Lloyd rund 30 Millionen US-Dollar.


Nach der Umrüstung wird es weitere technische Herausforderungen geben: Denn das Gas im Tank muss stets auf dem erforderlichen Temperatur- und Druckniveau gehalten werden – also auch, wenn das Schiff über einen längeren Zeitraum vor Anker liegt. „LNG-betriebene Schiffe müssen völlig anders behandelt werden“, so von Berlepsch. Daher durchlaufen auch die Crews von Hapag-Lloyd vorab intensive Schulungen. Diese schließen Trainings an LNG-Schiffen ein, um den neuen Treibstoff im Alltag kennenzulernen.


Seit Mai fährt die „Sajir“ unter deutscher Flagge. Zu diesem Zeitpunkt ging Kapitän Michael Kowitz mit seiner Crew an Bord. Er wird auch nach der Umrüstung das Schiff in Betrieb nehmen: „Für mich ist es eine spannende Herausforderung, Teil dieses Pilotprojekts zu sein. Ich freue mich, meine Erfahrungen weiterzugeben und damit das Projekt mitgestalten zu können.“
Im vierten Quartal wird die „Sajir“ wieder auf See gehen, zunächst im Testbetrieb. Anschließend kehrt das Schiff in einen Dienst zwischen Asien und Europa zurück – im Herbst 2020 wird sie erstmals in Hamburg erwartet.

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