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Chilenische Kirschtransporte – Interview mit Christian Seydewitz

Chile ist einer der größten Kirschenproduzenten der Welt und Hapag-Lloyd ist Marktführer bei der Verschiffung von chilenischen Kirschen. In unserem Interview spricht Christian Seydewitz, Senior Vice President Area Chile, über das Konzept von Hapag-Lloyd für den Transport von Kirschen, die Beliebtheit von chilenischen Kirschen in China und wie Chile den Auswirkungen des Klimawandels begegnen kann.

Christian, chilenische Kirschen sind in Europa, den USA und vor allem in China sehr beliebt. Was macht die chilenischen Kirschen so besonders?

Es gibt viele Länder, die Kirschen produzieren, zum Beispiel die USA, die Türkei und sogar China. Das Besondere an chilenischen Kirschen ist jedoch, dass sie in Chile während des Winters auf der Nordhalbkugel produziert werden. In China ist die Nachfrage nach Kirschen im Winter besonders hoch, weil es in China Tradition ist, zum Neujahrsfest Früchte, insbesondere Kirschen, zu verschenken. Der kulturelle Brauch und Glaube besagt, dass Rot ein Symbol für Erfolg, Glück und Liebe ist. Chilenische Kirschen sind auch deshalb etwas Besonderes, weil die Erzeuger hart daran gearbeitet haben, die Qualität der Früchte zu verbessern. Hapag-Lloyds Cherry Express Service, den wir in der Saison 17/18 eingeführt trägt mit 22 bis 23 Tagen Transitzeit direkt nach China dazu bei, dass die Kirschen mit hoher Qualität auf den chinesischen Märkten ankommen.

Mit unserem Cherry Express Service haben wir den Service während der Hochsaison beschleunigt, wodurch wir fünf bis sechs Tage auf dem Wasser einsparen und 22 bis 23 Tage für den Transport der Kirschen von Valparaíso nonstop nach Hongkong und einigen anderen Häfen in China gewährleisten können. Je kürzer die Transitzeit, desto besser ist die Qualität der Kirschen bei der Ankunft.

Christian Seydewitz ist Senior Vice President für unsere Area Chile

Welche Rolle spielt Hapag-Lloyd für den Export von Kirschen aus Chile?

In den letzten Jahren war Hapag-Lloyd die bevorzugte Reederei während der Kirschensaison in Chile. Wir erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von etwa 20 Prozent.

Für das Jahr 2023 wird prognostiziert, dass Chile doppelt so viele Kirschen produzieren wird wie in 2022. In diesem Jahr verzeichnete das Land bereits eine Produktionssteigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 70 Prozent der Kirschen werden innerhalb von drei Wochen im November und Dezember verschifft. Eine weitere Hochphase ist kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest zwischen Ende Januar und Ende Februar. Wir beginnen jedoch bereits in den sechs Wochen vor Beginn der Hochphase im November mit dem Transport. Dank dieses Konzepts sind wir auf dem chilenischen Markt so erfolgreich. Ähnliche Konzepte haben wir auch für weitere Früchte. Mitte Januar transportieren wir anderes Steinobst wie Pfirsiche und Aprikosen. Dank des Asia Express Service wächst dieser Markt Jahr für Jahr. Danach verschiffen wir Trauben, die ebenfalls zu unserem größten Exportvolumen gehören.

Der Hauptabsatzmarkt für chilenische Kirschen ist China, aber die Nachfrage aus den USA und Europa steigt kontinuierlich. Vor zwei Jahren gingen noch 98 Prozent der chilenischen Kirschenexporte nach China und nur zwei Prozent nach Europa und in die USA. Dieser Anteil ist jedoch im letzten Jahr auf etwa neun Prozent gestiegen, und wir gehen davon aus, dass er in diesem Jahr auf 15 Prozent ansteigen wird. Das entspricht etwa 3.500 40-Fuß-Containern – 19.000 40-Fuß-Container werden nach China gehen.

Bei unserem Cherry Express Service beschleunigen wir die Transporte in der Hochsaison. Dadurch sparen wir fünf bis sechs Tage auf dem Wasser, und es dauert nur 22 bis 23 Tage, um die Kirschen von Valparaíso ohne Zwischenstopp nach Hongkong und in einige andere Häfen in China zu transportieren.

Wie wirken sich die Hafenstaus und COVID-19 auf die Qualität unserer Transporte aus?

Die letzte Saison war eine besondere Herausforderung in Chile. Wir hatten einen Mangel an Arbeitskräften in den Terminals – aufgrund von COVID-19 und Streiks. Um unsere Schiffe entladen zu können, mussten wir sie in peruanische Häfen schicken. Ein weiteres Problem war die Verfügbarkeit von Containern. Außerdem war der Hafen in Hongkong stark überlastet. Wir haben mit allen Akteuren der Logistikkette zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die nächste Saison reibungsloser verlaufen wird.

Was sind die größten Herausforderungen für die Koordination und Zusammenarbeit zwischen Sales und Operations, die beim Transport von Kirschen zu bewältigen sind?

Es geht nicht nur um eine Koordination und Zusammenarbeit zwischen den lokalen Sales und Operations Teams, sondern auch zwischen uns und den Offices an den Zielorten. Unsere Schiffe kommen in den Häfen mit bis zu 1.200 Containern mit Kirschen an. Um dies zu koordinieren, haben wir wöchentliche Calls und arbeiten mit Cargo Control und den Logistics Teams in den Regions zusammen. Auch das Fleet Management und die Crew an Bord sind involviert. Wir setzen zudem mehr Power Packs ein, um die Kühlcontainer mit Strom zu versorgen. Dies muss mit dem Claims Department, Operations, dem Anbieter der Power Packs sowie den Kapitänen der jeweiligen Schiffe koordiniert werden.

Wie nehmen Chile und die Obstproduzenten die Auswirkungen des Klimawandels wahr?

Der Klimawandel hat weltweite Auswirkungen, und Chile ist da keine Ausnahme. Dieses Jahr war es besonders heiß, und wir hatten die trockenste Saison seit zehn Jahren. Das war eine ziemliche Herausforderung für die Obstproduzenten hier. Zum Glück gibt es mögliche Lösungen für die Zukunft. In Chile haben wir Alternativen für Regenwasser, da das ganze Land an der Westküste Südamerikas liegt. Wir können dem Beispiel Israels folgen und Meerwasser entsalzen. Die Entsalzung erfordert viel Energie, aber im Norden Chiles können wir viel Solarstrom erzeugen. Wir haben gute Voraussetzungen, um grüne Energie zu erzeugen und Wasser zu produzieren – wenn wir als Land richtig handeln.

Chilenische Kirschen am Baum in Talca, Chile

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