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„Unsere Goldbären stehen auf Hapag-Lloyd“

Gummibärchen für die USA – und Halal-Fruchtgummis für muslimische Kunden: der Süßwarenhersteller HARIBO im Kunden-Interview. Wie Hapag-Lloyd einen Großteil der Süßwaren von Haribo in alle Erdteile transportiert und von den Herausforderungen der Süßwarenbranche generell.

Stefan Sorce ist Leiter Global Logistics HARIBO-Gruppe und Geschäftsführer der HARIBO Logistik GmbH und unser Gesprächspartner im Kundeninterview.

Herr Sorce, die weltberühmten Gummibärchen, GOLDBÄREN genannt, sind das Aushängeschild der HARIBO-Unternehmensgruppe – und sie erobern die Welt.

Jeden Tag produzieren wir etwa 100 Millionen Gummibärchen. Aneinandergereiht würde unsere Tagesproduktion viermal um den Globus reichen. Viele Jahrzehnte war HARIBO auf die Kernregion Europa festgelegt – und noch heute machen wir einen sehr großen Teil unseres Umsatzes in Deutschland. Mittlerweile aber sind unsere Produkte weltweit auf dem Vormarsch.

Welche Märkte fassen Sie dabei ins Auge?

Kurz gefasst: alles zwischen Nordamerika und Asien ist strategisch sehr wichtig für uns. Wir haben 20 europäische Auslandsgesellschaften und sechs außerhalb Europas: Brasilien, Singapur, Dubai, Australien, Nordamerika und China. Der größte Süßwarenmarkt ist und bleiben die USA. Aber der Appetit auf Süßes wächst auch in China mit atemberaubender Geschwindigkeit.

HARIBO ist ein Familienunternehmen mit großem Traditionsbewusstsein. Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Hans Riegel gründete das Unternehmen 1920 in Bonn – daher auch der Name HARIBO (HAns RIegel BOnn). Seine Söhne Hans und Paul führten das Unternehmen nach dem Krieg zu internationalem Erfolg. „Vor allem Qualität“ war und ist das Motto. Und entsprechend sind die wichtigsten Markenwerte Qualität, Innovation und Kontinuität. Großen Anteil am Erfolg hat natürlich auch unser ausgeprägter Sinn für Marketing und Werbung.


 

Stefan Sorce, der Leiter Global Logistics bei HARIBO, ist der Ansprechpartner für Hapag-Lloyd

Sie haben in den letzten Jahren Ihr Sortiment konsequent erweitert. Was sind die erfolgreichsten Innovationen von HARIBO?

Das Fruchtgummisortiment COLOR-RADO und die GOLDBÄREN sind unsere Top-Seller im Sortiment. Aber auch die Erweiterung der GOLDBÄREN-Produkt-Range mit SAUER GOLDBÄREN ist sehr erfolgreich – sie sind unter den Top drei Produkten von HARIBO in den USA und inzwischen auch in Deutschland stark im Markt etabliert. Eine Punktlandung war auch die Produkteinführung HARIBO Milchbären im Jahr 2016 in Deutschland. Die Milchbären aus süßem Fruchtgummi und cremig weichem Schaum mit Milchgeschmack haben im Sturm Alt und Jung begeistert. Und wir folgen Trends in Bezug auf vegetarische Ernährung: Eine schnelle Orientierungshilfe für Verbraucher, die bewusst auf tierische Gelatine verzichten, stellt das V-Label des VEBU (Vegetarierbund Deutschland) dar, das gut sichtbar auf die Beutel-Vorderseite von Fruitmania gedruckt ist. Für unsere muslimischen Kunden haben wir Halal Fruchtgummis entwickelt. Sie enthalten keine Schweine-, sondern Rindergelatine. Sie laufen sehr erfolgreich in türkischen Supermärkten im In- und Ausland, aber auch beispielsweise in Malaysia und im arabischen Raum.

Welche regionalen Spezifika gibt es?

Grundsätzlich verkaufen sich saure Produkte sehr gut in Frankreich. Mit Orangina Fruchtgummis treffen wir dort punktgenau den Geschmack der Franzosen. In Großbritannien läuft unser Kaubonbon MAOAM nach wie vor extrem erfolgreich. In den USA punkten wir mit Happy Cola. So verschieden die Geschmäcker weltweit auch sind: HARIBO hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. 

Kommen wir zur Produktion. Wo werden Ihre Fruchtgummis und Lakritze hergestellt und wie kommt Hapag-Lloyd dabei ins Spiel?

Wir produzieren an 16 Standorten in zehn Ländern. Unter anderem haben wir zwei große Werke in Frankreich, eins in der Türkei und fünf in Deutschland. Hapag-Lloyd nutzen wir, um unsere Rohprodukte in die Produktionsstätten zu bringen, vor allem aber natürlich für den Export. Aus unseren Werken in Deutschland und Europa bedienen wir vorwiegend den europäischen Markt, aber auch die USA. Dafür nutzen wir die Häfen in Rotterdam, Antwerpen und Hamburg. Unser US-Distributionszentrum befindet sich in Port Elizabeth, New Jersey – und liegt nur rund 300 Meter entfernt von der Kaimauer des Hafens. Aus unserem Werk in der Türkei bedienen wir die Märkte in Asien und teilweise auch in Nordamerika.  

HARIBO produziert und Hapag-Lloyd transportiert: Fruchtgummis und weitere Naschereien von süß bis sauer. Quelle: HARIBO

Wie viele TEU transportiert Hapag-Lloyd für HARIBO?

Es ist eine ordentliche fünfstellige Zahl. Damit ist Hapag-Lloyd ein zentraler Partner in der Seefracht. Und Sie sehen: unsere GOLDBÄREN stehen auf Hapag-Lloyd. Wir brauchen einerseits Standardcontainer, aber auch Reefer, denn im europäischen Sommer werden oft Temperaturen über 20 Grad Celsius erreicht – und solche Temperaturen schaden unserem Produkt. Deshalb nutzen wir Reefer. 

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Hapag-Lloyd?

Das, was wir an allen unseren Partnern schätzen: Qualität, Termintreue und das Einhalten von Zusagen. Mir persönlich ist auch wichtig, dass ich vom Top-Management bei Hapag-Lloyd gehört werde. Wir möchten als führendes Unternehmen unserer Branche einen gewissen Stellenwert bei der Reederei haben. Hapag-Lloyd ist für uns ein globales Top-Unternehmen, hat sich aber mittelständische Strukturen bewahrt. Und man pflegt noch einen persönlichen Umgang mit dem Kunden. Wir wollen mit Menschen zu tun haben, nicht mit Anrufbeantwortern oder Callcentern.

Wie wichtig ist der Preis?

Logisch – das ist ein ganz wichtiges Kriterium. Aber wenn die Qualität und die Zusammenarbeit dauerhaft stimmen, dann sind wir auch bereit, einen höheren Preis zu bezahlen. Grundsätzlich aber sind wir opportunistisch aufgestellt: Nachfrage regelt den Preis – und wir schauen uns genau an, wo wir günstig Kapazität einkaufen können. Allerdings planen wir ja eher mittelfristig und setzen statt auf den Spotmarkt viel mehr auf Langzeitkontrakte. 

Wie sehen Sie die laufende Konsolidierung in der Containerlinienschifffahrt?

Diese Marktbereinigung ist gut, denn die Guten und Gesunden werden überleben. Und Hapag-Lloyd gehört aus meiner Sicht zu diesen Guten und Gesunden.

Wo muss Hapag-Lloyd noch besser werden?

Grundsätzlich gibt es bei allen Reedereien deutlichen Nachholbedarf bei schnellen Entscheidungen beispielsweise am Telefon. Im Vergleich dazu geht das bei den meisten Spediteuren ruckzuck. Bei Hapag-Lloyd dauern zuweilen auch die Antwortzeiten etwas lang. Grundsätzlich aber bin ich sehr zufrieden mit Ihnen.

Was fasziniert Sie an der Logistikbranche?

Ich wurde in eine sizilianische Unternehmerfamilie geboren – und habe mich schon als Knirps für Logistik interessiert. In Mannheim habe ich dann Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Logistik studiert. Dann hat mich das Thema nie wieder losgelassen. Kürzlich stand ich auf der Brücke eines 20.000 TEU-Containerschiffs in Hamburg und blickte von dort aus auf die unzähligen Container an Bord. Ich staunte einmal mehr darüber, dass wir heute fast überall auf der Welt eine uneingeschränkte Verfügbarkeit von Gütern haben. Und in diesem Moment war sie wieder greifbar: die Faszination der Logistik – und letztlich auch die Faszination der gesamten Globalisierung.

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